Abgründiges und Abgrundschönes

Schroffe Felswände, steile Hänge und stille Seen gibt es im Saanenland zu Hauf. Wenn die Autorinnen Blanca Burri, Stefanie Christ, Melanie Gerber und Sandra Rutschi im Open Spaces Feutersoey aus ihren Geschichten lesen, tun sich jedoch noch ganz andere Abgründe auf: Da irrt ein Mann durchs Schneegestöber zum Giferspitz, um beim Gipfelkreuz endlich seinen Frieden zu finden. Eine Frau begräbt ihren Ehemann unter Lichterketten, während eine andere mitten in der Nacht nach Italien fährt, um das Geschrei ihres Kindes nicht mehr ertragen zu müssen. Und in einem Lebensmittelladen ist eine Verkäuferin mit den abgründigen Eigenheiten ihrer ehemaligen Französischlehrerin konfrontiert.

Blanca Burri, Stefanie Christ, Melanie Gerber und Sandra Rutschi lesen erstmalig in dieser Konstellation, obschon sie nebst ihrer Liebe zur Literatur auch ihre Arbeit als Journalistinnen verbindet. Blanca Burri und Melanie Gerber wohnen im Saanenland und haben sich über die Arbeit kennengelernt. Die Stadtbernerinnen Stefanie Christ und Sandra Rutschi publizierten 2011 zufällig ihre Romandebuts im selben Verlag. Heute sind die beiden als Autorinnen-Allianz «The Grangers» privat und literarisch gerne gemeinsam auf der Piste.

Im Open Spaces Feutersoey warten nicht nur literarische, sondern auch musikalische und künstlerische Abgründe auf die Besucher: Die in Gstaad aufgewachsene Sängerin Sarah Iseli führt die Zuhörer an den Rand des Abgrunds, wenn sie ihre Stimme vibrieren lässt und die Zuhörer damit betört. Der Engländer Sam Douglas ist mit dem Fahrrad und auf seinen ausgedehnten Wanderungen oft nah des Abgrunds unterwegs. Dieses Gefühl und die Bilder, die sich dann in sein Gedächtnis prägen, malt er später auf Glasplatten und stellt sie im Open Spaces aus.

Text und Bild kombinieren zwei weitere Ausstellerinnen: Die Baslerin Carolin Merkle findet Abgründiges in Texten und Grafischem. Im Open Spaces stellt sie ihr Gedicht «Frau Ritter» aus, welches auf einer Sage vom Karlsruher Grat beruht, laut der eine Rittersfrau von ihrem Mann eingemauert wurde, weil sie ihre Siebenlinge hatte töten wollen. Und Melanie Gerber liest nicht nur aus ihren Geschichten, sondern zeigt auch einen Einblick in ihre «Drohbriefpoesie»: Aus Zeitungs- und Magazin-Texten schneidet sie Wörter aus und kombiniert sie zu abgründiger Lyrik.

Abgründe in Literatur, Kunst und Musik: Samstag 9. Juni, 20 Uhr, Open Spaces Feutersoey. Eintritt frei, Kollekte.

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